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Schiffspause

Abschalten. Der Tag hat früh begonnen. Genauer gesagt um halb fünf. Das ist ziemlich früh, aber auf dem Schiff nichts Ungewöhnliches. Schließlich wollen die Leute dort ja versorgt werden. Mit Verpflegung und sämtlichen Annehmlichkeiten, die ein schwimmendes Hotel so bewirbt. Wenn morgens die Crew zu Arbeitsbienen werden, davon bekommt der gewöhnliche Schiffsreisende ja gar nichts mit. Es sei denn, er hat am Abend vergessen, die schweren Vorhänge seiner Bordkabine zuzuziehen, die neben dem Sonnenaufgang über dem Mittelmeer vor allem die Außengeräusche auf ein Minimum reduzieren. Schließlich fahren wir bei Nacht und, so man denn bei offenem Fenster schlafen sollte, was die Bediensteten gar nicht so gut finden, weil jede Kabine natürlich mit einer Klimaanlage ausgestattet ist, die man obendrein nicht ausschalten kann, dann hört man neben dem einschläfernden Plätschern des Meeres auch das leise, aber stetige Brummen als Konterpart zum Meer. Und am morgen das Licht. Zwar noch nicht um fünf Uhr morgens, aber immerhin wird es dann schon ein wenig hell und man kann den Möwen dabei zusehen, wie sie vom Land extra herbei geeilt kommen, um den großen Koloss selbst in Augenschein zu nehmen.

Vier Stunden später ist der größte Spuk dann für die Hälfte erst einmal vorbei. Die Reisenden haben sich gewaschen, angezogen und sich am Frühstücksbuffet den Bauch vollgeschlagen, vielleicht sogar den ersten GinTonic bereits wieder intus, ehe sie die Schiffswände gegen eine Busfahrt zu irgendeinem Touristenziel eintauschen und sie sich dann nicht nur 90 Prozent der Zeit den Hintern platt sitzen, sondern auch tolle Erinnerungsfotos aus der Fensterschreibe schießen.

Der Ausstieg ist hektisch und dann ist das Schiff plötzlich zu drei Vierteln leer. In den öffentlichen Bereichen ist es ruhig geworden. Man nimmt das ständige Brummen des letzten verbliebenen Motors als Aufforderung wahr, um einfach einen Moment inne zu halten. Das Schiff gehört jetzt den wenigen, die hier geblieben sind. Ich meine, wirklich hier geblieben und nicht bereits halbnackt auf dem Sonnendeck. Der Augenblick gehört uns. Und das schönste dabei: Der GinTonic schmeckt wunderbar auch ohne dass man die Planken des Schiffes je verlassen müsste.