Ante Garmaz (re.) mit Schalk im Nacken
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Ein Gesicht bekommt einen Namen

Nach ziemlich genau sieben Jahren und einem Monat, bekommt ganz unerwartet ein mir unbekanntes Gesicht auf einem meiner Bilder einen Namen. Antonio Jorge Garmaz, kurz Ante genannt, heißt der Mann rechts im Bild. Argentinisches Model, Designer, Moderator, Schauspieler, Tausendsassa. Ich kannte ihn nicht. Bis gestern. Da nämlich las ich die Nachricht in einer argentinischen Tageszeitung, dass er am 16. Juli mit 83 Jahren verstorben ist.

Als Garmaz noch ein kleiner Steppke war, siedelte seine Familie aus Kroatien nach Argentinien. Anfang der 30er Jahre landeten sie dann mit zig anderen Aussiedlern, die in der neuen Welt ihr Glück versuchen wollten, im Hafen von Buenos Aires. Und bereits zehn Jahre später, im zarten Alter von 19 Jahren, hatte Garmaz bereits seinen Ersten Auftritt als männliches Modell bei einer Modenschau. Schnell folgten Auftritte in TV-Shows und Spielfilmen. Bekannt war er zudem für seine riesengroße Krawattensammlung und als glühender Fan der Boca Juniors, deren Trikots er sogar für eine Europareise entwerfen durfte.

Ich kann mich noch sehr gut an Garmaz erinnern. Bei einer Modenschau musste ich hinter den Kulissen Bilder für einen Stylisten machen. Und da tauchte auch Ante Garmaz auf. Dieser alte Mann strahlte eine unglaublich Präsenz aus. Aber auch der Schalk saß ihm so tief im Nacken, dass sein loses Mundwerk nur so sprudelte. Ich verstand freilich nur die Hälfte, aber das war nicht weiter tragisch. Er brachte den ganzen Raum zum Lachen. Es war ein einmaliges Erlebnis. Mit 75 Jahren lockerte er die steife Atmosphäre auf, dass es eine wahre Freude war.

Der Herr links neben Garmaz ist natürlich der Stylist. Ein komischer Typ an dessen Namen ich mich längst schon nicht mehr erinnern kann. Irgendwie typische argentinisch mit Goldkettchen und vielen Haaren auf der Brust, aber auf der anderen Seite furchtbar angepasst und einfach zu lange im Modezirkus (und Solarium) dabei, als dass er hätte auch nur gewöhnlich normal hätte wirken können.

Ich jedoch freue mich vor allem, dass ein Gesicht auf meinen Bilern plötzlich nicht mehr gänzlich unbekannt ist.