„Mogst an Rum Punch?“, höre ich es hinter mir. „Ja freile“, bricht sich das Sprachzentrum direkt seine Bahn vom Kleinhirn runter ins Sprachzentrum. Österreicher und Bayern können sich wunderbar vertragen, nicht nur, aber gerade dann, wenn die Heimat ganz, ganz weit weg ist. In diesem Falle etwa 7.500 Kilometer. Oder etwas über 4000 Seemeilen, schließlich ist man ja in der Karibik gelandet, genauer gesagt, auf St. Lucia.

DREI WÄNDE UND PANORAMABLICK

Eine kleine Perle im Karibischen Meer, zwischen Martinique und St. Vincent und die Grenadinen. „Als ich da Anfang ’90 hingesegelt bin, da war das noch ein ziemlich gefährliches Pflaster“, gab mir mein Freund Olaf noch mit auf den Weg. 20 Jahre später ist davon aber nichts mehr viel übrig geblieben. Wie viele Karibikstaaten hängt die Insel am Tropf des Tourismus und man kann geradezu feudal residieren. Allen voran im Jade Mountain, dem wohl berühmtesten Hotel der Insel. Da haben die Zimmer schon mal nur drei Wände, die gesparte fungiert als nicht vorhandenes Panoramafenster mit freiem Blick auf die zwei Pitons, den Wahrzeichen der Insel.

Ich sitze gerade aber Gros Islet im Nordwesten der Insel und könnte mich wohler nicht fühlen. Der Schweiß rinnt wie ganz selbstverständlich unter dem Hemd hinunter, die Meeresbrise ist lauwarm und kühlt überhaupt nicht. Da kommt der Rum Punch natürlich wie gerufen, den Konrad mir hier angedeihen lassen möchte. Konrad spricht zwar noch ein tiefe Steirisch, und er ist auch durch und durch Österreicher, irgendwie. Aber eigentlich ist er schon längst ein Caribeño. Mit 15 ausgezogen von daheim, Hotelfachschule, dann mit 19 in die Schweiz und weiter in die Karibik. Ihm hat das Calabash Cove eigentlich alles zu verdanken, denn er hat es konzipiert und konstruiert, war schließlich selbst fast ruiniert, wo er doch eigentlich schon vorher in den Ruhestand gehen wollte. Jetzt steht das Cove als weitere Perle wie in den Hang gemalt und buhlt um zahlungskräftige Klientel.

DER RUM VERFEHLT SEINE WIRKUNG NIE

Nach dem ersten Schluck am bunten Rum ist das aber egal. Dann muss man auch nicht mehr sprechen. Überhaupt ist das das Schönste an der Karibik und dem Rum. Man trinkt ihn und er hilft. Beim Verarbeiten von Liebesschmerz genauso wie zur Förderung steifer Hüften, wenn man zu karibischen Beats tanzen möchte. Bei manchen wirkt er aphrodisierend und beim Balzgehabe. Bei Kopfweh wäre ich vorsichtig, da hilft er vielleicht nicht direkt, sonst aber in fast jeder Lebenslage.

Gerade auch. Er macht nicht müde, sondern wach. Die nackten Füße ruhen auf der Holzplanke, der Blick hinüber auf die vielen Lichter von Castries, der Insel-Hauptstadt. Alles glitzert, leuchtet und blinkt und in mir drin macht sich eine Ruhe breit, die seines gleichen sucht. Der Kopf aber ist hellwach, die Synapsen sind voll auf Empfang und alle Gedanken jagen über den sternenklaren Himmel hinaus in die karibische Nacht. Das Leben kann beginnen. Die Nacht auch.

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Link zur Calabash Cove (falls jemand eine Luxus-Unterkunft sucht, sie sei ihm hiermit ans Herz gelegt… und nein, ich bekomme nichts davon)

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